Also ich denke, die Brasilianer sind noch bürokratischer als die Deutschen. Und das in Kombi mit südamerikanischem Arbeitstempo und einem Anflug von Chaos macht: jawohl, endlose WARTESCHLANGEN!!!!!! Erstmal mussten wir heute zu so nem Gebäude in der Altstadt von Recife um da eine Bescheinigung abzuholen, dass wir einen gewissen Ausweis beantragt haben, für den wir an einem anderem Ort schon 3 Stunden angestanden haben... und wieder kroch die Zeit zäh dahin, während wir erst stehend, dann sitzend, dann schlafend auf den erlösenden Aufruf gewartet haben.... und das alles für einen Papierzettel mit ner Nummer drauf!!! Whaaaaa!!! Diese Brailianer!!! Ach ja, hier noch das unwichtige Detail wofür man diesen Schein braucht: um Formulare zu beantragen.
Und dann Busfahren... also du kannst dir eine Art Achterbahn vorstellen, nur ohne Gurte - ganz davon abgesehen, dass man zum einsteigen in dieses wunderbare Fahrgeschäft an der Bushaltestelle auf die Straße springen und hektisch winken muss. Es geht also mit 80 Sachen durch die Stadt, neben einem überholen Roller zwischen den Autos, da, plötzlich eine Pferdekutsche von links....und quietschende Reifen und Schlaglöcher und du wirst nach vorne und hinten und links und rechts geschleudert. Wir mussten von Recife Antigo bis zur Uni, das ist ein ganz anderes Stadtteil. Dort irgendwo wollten wir die Wohnung besichtigen. Ja genau, IRGENDWO! Ja wo denn nur?? Nach einigem fragen, rätselraten, Taxi suchen, Bus finden, falsch aussteigen, wieder fragen, falsch einsteigen und so weiter kamen wir schließlich äußerst brasilianisch eine Stunde zu spät an. Naja die Gegend sah nicht soo toll aus, wir hatten schon Angst wir würden in den Favelas landen.
Gottseidank hatt uns der Herr von der Vermietung schnell auf der Straße aufgegriffen. Aber die Wohnung selber hat uns dann schon überrascht. Nun gut, Fenster, Balkon und Türe sind vergittert, aber dass muss wohl. Aber es gab PLATZ in dieser Wohnung (bis darauf, dass Zimmer Nr. 3 eher eine Abstellkammer war). Und eine WASCHMASCHINE! Ok, es gab keinen Strom, aber das ließe sich noch machen... und batz! reingefallen in die brasilianische Formularitätenfalle. Hmm, also, die unwissenden Allemannen müssen erstmal bescheinigen, dass es auch problemlos monatlich "dinheiro" (und der nette Herr reibt mit den Fingern) aus Allemanha gibt. Und drei große Augenpaare schauen den netten Herrn an, und wissen nicht so recht... Ähm, und dann gibt es da ja noch den "fiador", aha! Der gemeine "fiador" gehört zur Gattung der geldverdienenden, hausbesitzenden, in Recht und Arbeit stehenden Brasilianer. Aaahh, ja, und so einer soll dann für drei in dieses Land gepurzelte Deutsche die Liquidität bürgen. Aber nein! Der fiador kann nicht bescheinigen, dass wir Geld aus Deutschland bekommen, das müssen zwei verschiedene Personen sein. Confusao!
Und schließlich qualmt der Kopf, und mit etwas Wut und etwas Hoffnung im Bauch gehts auf in das nächste Busabenteuer. Und ich brauch glaub ich gar nicht mehr aufzählen, was schon oben steht, denn natürlich haben wir uns erstmal wieder den falschen genommen. So ziemlich fertig mussten wir uns dann noch im supermercado unser Frühstück erkämpfen (und anstehen). Mir brennen jetzt die Augen von diesem Tag, von Sonne und Staub und ich denke ich falle jetzt in Bett. Denn morgen wollen wir endlich zur Uni, von der wir heute noch nichts gesehen haben. Also gentes, até là! Und immer den richtigen Bus nehmen.
Sagt: Eike
Montag, 3. August 2009
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